BAU – Anscheinsvollmacht des Architekten

Abgeschlossene Verträge mit den Professionisten sind gegenüber dem Architekten gültig.

17.01.2013

BAU – Anscheinsvollmacht des Architekten

Wird ein Architekt mit der Bauführung betraut, ist er in aller Regel auch dafür verantwortlich, die notwendigen Professionisten für die Ausführung zu finden und mit diesen die entsprechenden Werkverträge abzuschließen.

Hierbei ist die Intention des Architekten normalerweise nicht, selbst Vertragspartner der Professionisten zu werden; vielmehr schließt er die Werkverträge im Namen und auf Rechnung des Bauherrn ab. Achtung: Es ist dafür nicht notwendig, dass eine ausdrückliche schriftliche Vollmacht vorliegt. § 1029 ABGB normiert für solche Fälle eine so genannte Anscheinsvollmacht. So wird bei Beauftragung eines Architekten mit der Bauführung vermutet, dass dieser auch dazu berechtigt ist, alle dafür notwendigen Geschäfte im Namen seines Auftraggebers abzuschließen. Ob diese tatsächlich vorliegt, ist dabei irrelevant. Es besteht für die Vertragspartner außerdem keine Erkundigungspflicht, solange es keinen berechtigten Grund zum Zweifel gibt. Nur, wenn die Umstände Bedenken erwecken mussten, ist die Richtigkeit des Rechtsscheins zu überprüfen. Das bedeutet, dass sich Dritte beim Abschluss von für den Bau normalerweise notwendigen Geschäften auf das Bestehen einer entsprechenden Vollmacht des Architekten verlassen dürfen. Die abgeschlossenen Verträge mit den Professionisten sind also diesen gegenüber gültig, auch wenn der Architekt im Einzelfall gar nicht zu deren Abschluss befugt war. Über Schadenersatzansprüche des Bauherrn gegenüber einem vollmachtswidrig handelnden Architekten klärt Sie Ihr Rechtsanwalt gerne auf!

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