Ethik & Recht

 2009-11-01 - von Rechtsanwalt Dr. Andreas Kaufmann (Kolumne)

Im Justizalltag verkommt der  Grundsatz “Recht = Gerechtigkeit“ immer mehr zu einer leeren, ja sogar verpönten Phrase. Vielmehr herrscht die Maxime „Geschicklichkeit statt Gerechtigkeit“. Es ist kaum mehr ein noch so abwegiger Anspruch denkbar, der theoretisch nicht bei Gericht erfolgreich durchgesetzt werden könnte.

Die oftmals gepriesene Rechtssicherheit geht zusehends verloren. Ein Schicksal wird nicht mehr akzeptiert. Irgendjemand muss immer schuld sein. All dies fördert geradezu gerichtliche Auseinandersetzungen. Freilich sind Meinungsdifferenzen und Streitigkeiten in der heutigen Zeit nicht nur nicht wegzudenken, sondern auch Ausdruck der Individualität und Freiheit jedes Einzelnen.

Als sehr wichtig sehe ich in diesem Zusammenhang die Streitkultur an. Jeder Streit kann und sollte meines Erachtens, unabhängig vom Ausgang, in einem würdevollen Klima entschieden werden. Dazu sollten alle Beteiligten, RichterInnen, AnwälteInnen und Streitparteien nach Kräften beitragen.