Enttäuschte Urlaubsfreuden – Schadenersatz

010-10-15 - von Rechtsanwalt Dr. Andreas Kaufmann (Kolumne)

Im Urlaub kann so einiges schief gehen. Nicht nur, dass man den Urlaub wegen Lärm- oder Geruchsbelästigung nicht richtig genießen kann; kann es auch vorkommen, dass der Transfer zum oder vom Urlaubsort nicht oder nur über Umwege stattfindet. Doch was tun in solchen Fällen?

Einerseits gibt es zur Bewertung von Reisemängeln die „Frankfurter Liste“ als Richtschnur, die aktuell durch die „Wiener Liste“ für Österreich spezifiziert wurde. So wird etwa bei Schiffsreisen Passagieren, die wegen direkter Nachbarschaft ihrer Kabine zum Motorraum kaum schlafen konnten, die Rückerstattung von 20 % des Reisepreises zuerkannt, dazu 10 % wegen penetranten Dieselgeruchs.

Auch die Belästigung durch Lärm und übermäßige Staubentwicklung infolge von Bauarbeiten am Strand rechtfertigten eine Erstattung von 30 % des Preises. 10 % Rückerstattung werden wiederum wegen extremer Lärmbelästigung durch eine benachbarte Disco, an- und abfahrender Quad-Fahrzeuge, wie auch wegen einer erheblichen Störung durch eine hoteleigene Disco bis zwei Uhr früh, gewährt.
Keinen ersatzfähigen Mangel stellt allerdings der tägliche Kampf um Liegestühle und Sonnenschirme dar. Dies wird vielmehr als leidvolles, aber zu duldendes Pflichtprogramm von Urlaubern angesehen.

Für Flüge innerhalb der EU, die annulliert werden sieht eine Verordnung der EU pauschale Ersatzzahlungen vor, wobei sich die Ausgleichszahlungen zwischen 250 und 600 Euro bewegen. Wo diese Entschädigung gerichtlich eingeklagt werden kann, hat der Europäische Gerichtshof nun in seinem Urteil C-204/08 entschieden. Dort führt er aus, dass die gestrandeten Passagiere eines innergemeinschaftlichen
Fluges entweder beim Gericht des geplanten Abflugorts oder bei jenem des geplanten Ankunftsorts klagen können. Dagegen kommt es auf den Ort, an dem die Fluggesellschaft ihren Sitz hat, ebenso wenig an wie darauf, wo der Flug gebucht worden ist.

Geht allerdings eine Fluglinie in Konkurs, kann man nicht viel mehr tun, als seine Konkursforderung anzumelden und auf eine möglichst hohe Quote (sehr unwahrscheinlich) zu hoffen.