BAU – Architektenhaftung für Kosten

 2010-12-09 - von Rechtsanwalt Dr. Andreas Kaufmann (Kolumne)

Zumeist wird für die Honorarvereinbarung mit einem Architekten als Bemessungsgrundlage eine bestimmte Bausumme oder ein bestimmtes Bauvolumen zu Grunde gelegt. In vielen Fällen stellt sich im Zuge eines dynamischen Bauprozesses, auf Grund von geänderten Umständen oder auf Grund von Zusatzwünschen während eines Bauvorhabens heraus, dass mit den ursprünglich angenommen Baukosten bzw dem ursprünglich prognostizierten Bauvolumen kein Auslangen gefunden werden kann.

Die Folge ist, dass auch die zu erbringenden Leistungen des beauftragten Architekten, insbesondere etwa für Umplanungen höher werden als ursprünglich angenommen. Die dabei immer wieder aufgeworfene Frage ist, ob der Architekt im Nachhinein mehr an Honorar verlangen kann, als ursprünglich vereinbart wurde? Die Antwort ist grundsätzlich Ja. Selbst bei Vereinbarung eines Pauschalhonorares kann mehr an Entgelt verlangt werden, wenn die geänderten Umstände aus der Sphäre des Bauherrn resultieren.

Eine weitere Frage ist, ob der Architekt dafür zur Haftung herangezogen werden kann, dass die Kosten des Bauvorhabens höher sind als ursprünglich angenommen? Die Antwort ist grundsätzlich Nein. Anderes gilt allerdings für beide aufgeworfenen Fragen, wenn mit dem Architekten bereits zu Beginn eine verbindliche Vereinbarung hinsichtlich einer Baukostenobergrenze oder eines Kostenrahmens getroffen wurde (vgl etwa OGH 9 Ob 98/09s). Die Bedeutung der bezughabenden vertraglichen Regelungen darf daher nicht unterschätzt werden.

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