Ärztliche Aufklärungspflicht – Entschärfung

 2010-03-02 - von Rechtsanwalt Dr. Andreas Kaufmann (Kolumne)

Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat jüngst (9 Ob 64/08 i) die von ihm selbst verschärfte ärztliche Haftung wegen mangelhafter Aufklärung ein wenig zurückgenommen.

Leidtragende ist eine Mutter aus Oberösterreich.Diese litt während ihrer 4. Schwangerschaft an Bluthochdruck. Wegen anhaltender Kopfschmerzen und starker Schwellungen durch Wasser im Gesicht wandte sie sich an ihren Gynäkologen. Neben dem stark überhöhten Blutdruck musste auch viel zu viel Eiweiß im Harn festgestellt werden. Der Arzt klärte über drohende Blutungen, Krämpfe und Folgen für das Kind auf und riet ihr, sofort ins Krankenhaus zu gehen.

Allerdings wies der Arzt die betroffene Mutter nicht darauf hin, dass eine konkrete lebensbedrohende Situation vorlag. Die Mutter begab sich zu spät  ins Krankenhaus. Das Kind wurde per Kaiserschnitt gesund entbunden. Allerdings leidet die Frau bis heute an einer „beinbetonten Halbseitensymptomatik“. Der OGH sprach den Arzt entgegen den Vorinstanzen von jeglicher Haftung frei. Vom Arzt zu verlangen, überdies ausdrücklich auf eine lebensbedrohende Situation hinzuweisen, hieße, den konkret anzuwendenden Sorgfaltsmaßstab zu überpannen.

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